Fintech

Bankfiliale im Smartphone

Von Paula Lehmann · 2016

Finanz-Start-ups krempeln die Bankenbranchen derzeit kräftig um. Doch die jungen Unternehmen bieten nicht nur immer mehr klassische Bankprodukte an. Sie erledigen die Aufgaben auch viel schneller und effizienter. Vor allem der jungen Klientel gefällt das – die älteren Deutschen haben noch Berührungsängste.

Die Deutschen trauen des digitalen Start-ups für Finanzdienstleistungen – den sogenannten FinTechs – nicht so recht. Laut den Ergebnissen des „FinTech Adoption Index“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) haben lediglich zwölf Prozent der befragten deutschen Internetnutzer in den vergangenen sechs Monaten FinTech-Produkte wie etwa mobile Bezahlungsmethoden oder Online-Finanzierung genutzt. Außerhalb Deutschlands lag die Nutzungsrate im Schnitt bei 16 Prozent. Während die Deutschen größtenteils skeptisch auf die digitalen Finanzdienstleistungen reagieren, zeigen sich die Menschen in Hongkong zum Beispiel deutlich aufgeschlossener: Hier nahm fast jeder Dritte (29 Prozent) im vergangenen halben Jahr ein FinTech-Produkt in Anspruch. Für die Untersuchung waren mehr als 12.000 Online-Nutzer in den sieben Märkten Deutschland, USA, Großbritannien, Kanada, Australien, Hongkong und Singapur befragt worden – in Deutschland haben sich etwa 2.000 Nutzer an der Befragung beteiligt.

Schnell, einfach, flexibel

Die jungen Finanz-Start-ups legen sich derzeit mit den Großen der Branche an – mit kreativen Ideen, innovativen Technologien und schneller Umsetzung zerlegen sie das traditionelle Bankgeschäft in seine Einzelteile. Mit Agilität und Flexibilität nutzen sie die Chancen der Digitalisierung, die die etablieren Kreditinstitute derzeit verschlafen. Die Großbanken können mit dem Tempo der jungen Digitalunternehmen nicht mithalten, müssen sie doch immer mehr Kapazitäten in die verstärkten Regulierungsanforderungen stecken. 

Noch sind laut der EY-Studie vor allem die Jungen, Gutausgebildeten und Vermögenden an den digitalen Finanz-Start-ups interessiert. Sie arbeiten in urbanen Zentren und sind neuen Trends gegenüber sehr aufgeschlossen. So nutzen 19 Prozent der zwischen 18 und 34 Jahren alten Deutschen FinTech-Angebote. Sie schätzen den schnellen und vor allem einfachen Zugang zu den Dienstleistungsangeboten: Mit nur wenigen Klicks können sie Geld versenden, Aktien kaufen oder einen Kredit beantragen – alles am heimischen Rechner oder via Smartphone von der Couch aus. Niedrige Kosten beziehungsweise bessere Konditionen sowie der Zugang zu verschiedenen und vor allem innovativen Produkten sind weitere Gründe, die für die FinTechs sprechen.

Vor allem online bezahlen

Dabei sind die Deutschen die innovativen Angebote der FinTechs vor allem für das Bezahlen im Internet. Aber auch für den Geldtransfer haben die befragten Nutzer gebraucht. So gaben 23 Prozent der Befragten an, schon einmal Non-Banks zur Überweisung verwendet oder online Geld ausgetauscht zu haben. Mit den innovativen Angeboten können Nutzer Online-Shopping- oder Lieferdienst-Rechnungen in wenigen Sekunden begleichen oder Anderen via Smartphone selbst kleinste Beträge in Echtzeit schicken. Abgebucht wird später per Lastschrift oder Kreditkarte. 

Zurückhaltender sind die deutschen Nutzer dagegen beim Geldanlegen, bei Krediten oder auch bei Versicherungen. Lediglich acht Prozent der Befragten haben ihr Geld bei Online-Brokern oder gar im Crowd-Funding angelegt. Noch reservierter sind sie bei Peer-2-Peer-Plattformen: Über derartigen Anbieter haben sich nur drei Prozent der Befragten von anderen Nutzern Geld geliehen.

Doch warum können sich die FinTechs nur so schwer im deutschen Markt etablieren? Etwa 29 Prozent der Befragten gaben an, die Finanz-Start-ups und deren Angebote nicht zu kennen. Fast jeder Zweite (47 Prozent) hingegen sah in den angebotenen Produkten jedoch keinen Nutzen. Hier müssen die Start-ups nach Einschätzung von EY ansetzen: „FinTech-Angebote stecken hierzulande noch in den Kinderschuhen, passgenaue Angebote müssen erst noch entwickelt werden. Internationale Finanzplätze wie Hongkong, Singapur oder London sind hier schon deutlich weiter“, erläutert EY-Partner Christopher Schmitz.damit Bonitätsabfragen keine Warnhinweise liefern. Als weitere Anzeichen gelten die Bestellung hochpreisiger Waren der Smartphones, eine fehlende Kaufhistorie oder die fehlende Bereitschaft zur Angabe persönlicher Daten wie Rufnummer oder Geburtsdatum.