Standortanalyse

Die Qual der Wahl

Von Inka Reershemius · 2017

Nicht alle Standortfaktoren erkennt man sofort. Es lohnt sich, genau hinzuschauen.

Harte und weiche Faktoren bestimmen die Wahl des Standorts für Unternehmen. Für die D-A-CH-Staaten gilt: Alle punkten mit Sicherheit, Stabilität und guter Infrastruktur. Im Detail können sich die Standorte aber unterscheiden. Es lohnt sich, hier genau hinzusehen.

Die Wahl des richtigen Standorts kann entscheidend sein für Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens und muss daher genau untersucht werden. Dabei können die individuellen Anforderungen jedes Unternehmens und verschiedener Branchen sehr unterschiedlich sein. Umso mehr lohnt sich eine genaue Analyse.

Bei den Kriterien, die bei der Standortwahl ins Gewicht fallen, unterscheidet man zwischen harten und weichen Standortfaktoren. Zu den harten Faktoren zählen solche, die messbar und wenig variabel sind. Diese sind zum Beispiel staatliche Förderungsmöglichkeiten, Steuern oder vorhandene Infrastruktur. Auch die Verkehrsanbindung oder die zu erwartenden Energie- und Umweltkosten sind im Voraus berechenbar. 

Kooperationspartner und Kunden

Weiche Standortfaktoren hingegen betreffen etwa die politischen Verhältnisse, die medizinische Versorgung und das Bildungsangebot sowie die Kooperationsbereitschaft von Behörden. Es kann sich lohnen, sich in der Nähe von Ausbildungsstätten, Forschungseinrichtungen oder Universitäten anzusiedeln. Hier sind neben qualifiziertem Nachwuchs möglicherweise auch Kooperationspartner oder Kunden zu finden. Es gilt zu unterscheiden, welche Standortfaktoren unabdingbar sind, und welche zusätzliche, aber nicht notwendige Pluspunkte darstellen.

Für die meisten Unternehmen sind harte Faktoren wie die Energieversorgung, die Verfügbarkeit von Rohstoffen oder die Transportmöglichkeiten die wichtigste Voraussetzung für eine Ansiedlung. Da die notwenigen harten Standortfaktoren in Deutschland, Österreich und der Schweiz fast überall in ähnlicher Qualität vorhanden sind, werden aber die weichen Faktoren immer wichtiger. 

Wirtschaftliche Anreize für Niederlassungen

Hier beginnt für eine fundierte Standortanalyse die eigentliche Arbeit: Es gilt, die wesentlichen Fragen zu beantworten und die Möglichkeiten zu vergleichen. So bieten viele Städte oder Gemeinden wirtschaftliche Anreize für den Fall einer Niederlassung. Je nach Kommunen können sich Fördermittel und vergünstigte Gewerbesteuern stark von einander unterscheiden. So gibt es einen kommunenspezifischen Hebesatz, der bei der Berechnung der Gewerbesteuer zum tragen kommt und bei einem niedrigen Hebesatz eine Ersparnis von mehreren tausend Euro jährlich ermöglicht. 

Je nach strategischer Ausrichtung eines Unternehmens kann auch ausreichend Platz für Warenlieferungen wichtig sein, ein anderes muss darauf achten, ob die technischen Voraussetzungen stimmen und beispielsweise ein Glasfaserkabel für einen schnellen Internetzugang vorhanden sind. Nicht zu vergessen der Blick in die Zukunft: Gerade junge Unternehmen sollten sich überlegen, wie viele Mietkosten sie im Fall eines Wachstums tragen können. Der Mieterschutz und die gesetzlichen Vorgaben für Wohnraum gelten bei Gewerbeimmobilien nicht.