Standort Deutschland

Die Wirtschaft bleibt stark

Von Jan Simon · 2017

Die aktuellen Zahlen lassen hoffen, die Regierung und Interessenverbände rechnen auch in diesem Jahr wieder mit einer wachsenden Wirtschaftsleistung von 1,4 Prozent und weniger Arbeitslosigkeit. Dennoch ist die Bundesrepublik an einigen Stellen gegenüber der Konkurrenz abgefallen. Der Wirtschaftsminister rät zu Besonnenheit.

Laut dem aktuellen Jahreswirtschaftsbericht rechnet die Bundesregierung 2017 mit einem Wachstum von 1,4 Prozent. 2017 erreichte die Wirtschaftsleistung 1,9 Prozent und damit den größten Zuwachs seit fünf Jahren. Glaubt man den Prognosen, wird auch die Arbeitslosigkeit weiter sinken. Die Zahl der Erwerbstätigen soll von zuletzt 43,5 Millionen um weitere 320.000 steigen. Auch andere prognostizieren Zuwachs für die Bundesrepublik. So rechnen sowohl der Industrieverband BDI als auch der Internationale Währungsfonds mit einem Plus von 1,5 Prozent.

Treibende Kraft des positiven Bruttoinlandsprodukts (BIP) war 2016 der Konsum. Nicht nur die privaten Ausgaben stiegen preisbereinigt um zwei Prozentpunkte. Stärker noch wuchsen die staatlichen Konsumausgaben mit 4,2 Prozent, bedingt vor allem durch die Zuwanderung und die daraus folgenden Kosten. Auch steigende Investitionen für Wohnbauten förderten das Wachstum.

D-A-CH-Staaten als sichere Standorte

Nach wie vor erwirtschaftet Deutschland fast ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts Europas und ist damit die größte Volkswirtschaft der Union. Doch nicht alle Prognosen für den Standort Deutschland sind positiv. So schneidet die Bundesrepublik nach dem jüngsten „Länderindex der Stiftung Familienunternehmen“ des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zum Beispiel bei der Transportinfrastruktur im internationalen Vergleich schlechter ab als in den Vorjahren. Auch hinsichtlich der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit steht Deutschland schlecht da. Zudem verliert der Hightech-Exporteur ausgerechnet bei der IT-Infrastruktur. 

Klarer Gewinner ist Deutschland beim Faktor Finanzierung. Das Land gilt als sicher, und ist damit für Mittelständler mit guter Bonität derzeit ein günstiger Standort für Investitionen. Allerdings gibt es wie in allen großen Staaten weiterhin ein starkes wirtschaftliches Gefälle zwischen den Regionen. Die Gründe sind teils historisch gewachsen, etwa das Bankenwesen in Frankfurt. Regionen wie Nordrhein-Westfalen haben bis heute ihre prägenden Strukturen aus der Zeit der Industrialisierung erhalten. 

Hidden Champions im Süden

Die wirtschaftsstärksten Gebiete finden sich in den Ballungsräumen im Süden sowie in Berlin und der Hafenstadt Hamburg. Die ländlichen Regionen Süddeutschlands sind geprägt von einer Dichte mittelständischer Unternehmen, viele unter ihnen Hidden Champions, international spezialisierte Marktführer. In Mittel- und Norddeutschland herrscht dagegen teils hohe Arbeitslosigkeit bei geringeren Einkommen, vor allem in dünn besiedelten Gebieten in den neuen Bundesländern.

Einer der letzten Ratschläge des scheidenden Wirtschaftsministers Gabriel war, angesichts der politischen Veränderungen nicht in Panik zu verfallen. Die deutsche Exportstruktur sei breit aufgestellt. Sollten sich die USA abschotten, würden sich für die deutsche Wirtschaft neue Räume öffnen.