Wirtschaft

​Frisches Kapital für die neuen Länder

Von Thomas Bleibtreu · 2014

Eine zentrale Voraussetzung für die wirtschaftliche Dynamik in den neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung waren die hohen Investitionen. Rund 1,6 Billionen Euro haben Unternehmen, Kommunen und private Bauherren seit 1991 in Ostdeutschland investiert.

Der Osten hinkt dem Westen immer noch hinterher. Immer wieder finden sich solche Schlagzeilen in den Medien, wenn es um die Wirtschaft in den neuen Bundesländern geht. Dabei sieht es so schlecht gar nicht aus, wenn man sich den Wirtschaftsstandort Ostdeutschland anschaut. Im Gegenteil, die KfW etwa spricht in einer aktuellen Studie von einer hohen Dynamik, wenn man die Entwicklung der letzten 25 Jahre seit dem Mauerfall betrachtet.

Zweites deutsches Wirtschaftswunder

„In Ostdeutschland haben wir das zweite deutsche Wirtschaftswunder erlebt“, sagte Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, kürzlich. Eine zentrale Voraussetzung für die Dynamik in den neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung waren die hohen Investitionen. Als Beispiele für große Investitionen werden immer wieder Projekte wie die Volkswagen Sachsen GmbH, Opel in Eisenach, die Dow Olefinverbund GmbH in Schkopau oder Rolls Royce im brandenburgischen Ludwigsfelde genannt.

Nach Angaben der KfW Bankengruppe haben Unternehmen, Kommunen und private Bauherren seit 1991 rund 1,6 Billionen Euro in Ostdeutschland investiert. Insbesondere in den 1990er-Jahren boomte die Investitionstätigkeit aufgrund des immensen Nachholbedarfes und der umfangreichen Investitionshilfen. Allein die KfW hat nach eigenen Angaben in Ostdeutschland einschließlich Berlin von 1991 bis 2013 Förderkredite über 185 Milliarden Euro zugesagt. Davon entfielen 100 Milliarden Euro auf Investitionen kleiner und mittlerer Unternehmen, weitere 64 Milliarden Euro auf wohnungswirtschaftliche Investitionen, und 21 Milliarden Euro auf Investitionen in die kommunale Infrastruktur.

Aber auch Investoren aus dem Ausland haben in den zurückliegenden Jahren gigantische Summen in ostdeutsche Standorte investiert. Dabei liegen die Schwerpunkte der ausländischen Investitionsprojekte vor allem in modernen, wachstumsstarken Technologiebranchen. Dazu zählen die Chemiebranche und die Biotechnologie, die Nanotechnologie, der Autoteile- und Maschinenbau, die Halbleiterindustrie sowie die Informations- und Kommunikationstechnologien.

Kleinteiligkeit ein Hemmschuh

Generell aber hat die ostdeutsche Wirtschaft oft noch mit ihrer Kleinteiligkeit zu kämpfen. Zehn Jahre nach ihrer Gründung hätten weniger als ein Prozent der neugegründeten Firmen im verarbeitenden Gewerbe mehr als 100 Beschäftigte, erklärt etwa das Dresdner Ifo-Institut. Um der Kleinteiligkeit entgegenzuwirken, müssten neue Firmen „hinreichend lang überleben und rasch wachsen“. Von den Neugründungen, die mindestens zehn Jahre überleben, wachse jedoch der größte Teil kaum aus der Klasse der Kleinstbetriebe heraus, heißt es.