Bildungs- und Forschungsstandort

​Neues Image und viel Potenzial

Von Melanie Ehrhardt · 2014

Die ostdeutschen Hochschulen haben turbulente Zeiten hinter sich. Doch der Aufbau Ost hat sich gelohnt. Immer mehr westdeutsche Abiturienten zieht es an die dortigen Hochschulen. Eine hohe Lebensqualität und die Verdichtung von Wissenschaftspotenzialen zeichnen den Bildungs- und Forschungsstandort Ostdeutschland aus.

Seit Jahren steigt die Zahl der Studenten an den ostdeutschen Hochschulen. So konnten die neuen Bundesländer zwischen 2005 und 2011 einen Zuwachs um neun Prozent verbuchen. „Dahinter verbirgt sich jedoch ein Erfolg, der weit über die nackten Zahlen hinausweist, nämlich die Gewinnung westdeutscher und ausländischer Studierender“, sagt Professor Peer Pasternack von der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg. Der Osten des Landes präsentiert sich dabei als attraktiver Ort zum Studieren.

Keine allergische Reaktion

Die Hochschulen in Ostdeutschland sind gut aufgestellt. Das hängt nicht zuletzt auch mit der Standortattraktivität zusammen. „Anders als noch vor 15 Jahren erzeugt die Vorstellung, im Osten des Landes studieren zu sollen, bei jungen Leuten aus westdeutschen Regionen keine allergischen Reaktionen mehr“, sagt Pasternack. Dresden, Leipzig oder Potsdam sind für die meisten Studienanfänger Orte, die es locker mit Hamburg, Frankfurt und Köln aufnehmen können.

Für ihre Lehre bekommen die die ostdeutschen Hochschulen zudem mehrheitlich gute Noten. Vor allem die kleinen Hochschulen haben bemerkenswerte Profile entwickelt, findet Professor Pasternack. In der Liga der Kleineren spielen sie im bundesweiten Vergleich ganz vorne mit und sind dabei meist forschungsaktiver als ihre westdeutschen Pendants.

Doch es dürften auch schwere Zeiten auf die ostdeutschen Hochschulen zukommen. Geplante Einsparungen und Personalabbau werden nicht ohne Folgen bleiben: So drohen die ostdeutschen Hochschulen dauerhaft zu sogenannten Erstberufungshochschulen zu werden. Dahin gehen junge Professoren für ihre erste Stelle, bleiben allerdings nur so lange bis sie etwas Besseres gefunden haben. Stabilität und Leistungsträger fehlen dadurch.

Dichtes wissenschaftliches Netzwerk

Auch die außeruniversitäre Forschung ist sehr gut platziert. Dabei ging es seit dem Mauerfall nicht nur darum, neue Einrichtungen zu schaffen, sondern ehemalige DDR-Institute zu integrieren. In den letzten 25 Jahren hat sich in den großen ostdeutschen Hochschulstädten ein starke Verdichtung von Wissenschaftspotenzialen aufgebaut. „Es gibt jeweils mehrere Hochschulen, die von zahlreichen außeruniversitären Instituten flankiert werden“, erklärt Pasternack diese Entwicklung. So wurden im Laufe der Neunzigerjahre zahlreiche außeruniversitäre Forschungseinrichtungen gegründet, die häufig auch auf Institute der früheren ddr-Akademien zurückgriffen. So nahmen Leibniz-Gemeinschaft und Fraunhofer-Gesellschaft viele ehemalige ddr-Institute auf. Zusammen mit den ostdeutschen Erweiterungen der Max-Planck-Gesellschaft und Helmholtz-Gemeinschaft ergibt sich heute ein weit gefächertes Netz, dessen Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist.