All-IP

Stimmen aus dem Internet

Von Michael Gneuss · 2017

Unternehmer müssen sich gut informieren, bevor sie in eine All-IP-Anlage investieren.

Die Ära der ISDN-Technologie neigt sich dem Ende entgegen. Firmen müssen sich auf die IP-basierte Telefonie einstellen. Mittlerweile gibt es kaum noch Gründe, die Umstellung hinauszuzögern, allerdings muss der Übergang gut überlegt und gründlich vorbereitet werden. Denn oft geht es um mehr als nur die Telefonanlage.

Für Privatkunden ist sie oftmals schon vollzogen: die Umstellung von der ISDN-Technologie auf „All-IP“. Auch für Unternehmen führt kein Weg an ihr vorbei. Nach dem Willen der meisten großen Provider ist 2018 mit ISDN unwiderruflich Schluss. Die Zukunft ist das Telefonieren über das Internet-Protokoll. Die Provider können dadurch die Kosten erheblich senken, denn noch müssen sie für jeden ISDN-Anschluss zwei Adern zwischen der Vermittlungsstation und dem Hausanschluss bereitstellen. Im IP-Netz läuft alles über eine IP-Infrastruktur – die Kapazität steigt erheblich, die Administration des Netzes wird einfacher. Auf Dauer wird sich kein Carrier diesen Vorteilen verschließen. 

Handlungsdruck für Firmen

Unternehmen werden daher die alte ISDN-Telefonanlage ausrangieren und in All-IP investieren müssen. Mittlerweile gibt es auch kaum noch Gründe, diesen Schritt hinauszuzögern. Support und Ersatzteile werden für ISDN immer seltener werden. Innovationen bringen Anbieter nur noch für IP-Anlagen auf den Markt. Für Mittelständler entsteht zum Teil Handlungsdruck durch Kunden, die von ihren Zulieferern die neue Kommunikations­infrastruktur erwarten. 

Neue Kommunikationsmöglichkeiten

Die Umstellung sollte nicht nur als Wechsel in eine neue Technologiegeneration verstanden werden, sondern als Chance, ganz neue Kommunikationsmöglichkeiten im Unternehmen zu implementieren. Doch vor der Umstellung auf All-IP müssen zahlreiche Fragen beantwortet werden. Unter Umständen sollte für die Umstellung ein erfahrener Berater hinzugezogen werden, damit sich die Gesprächsqualität und Dienstverfügbarkeit durch den Wechsel auf All-IP nicht verschlechtert.

Wichtig ist, dass Unternehmen über einen Anschluss mit ausreichender Bandbreite verfügen. Mit 100 Megabit pro Sekunde sollten Firmen mit 50 oder 100 Mitarbeitern keine Probleme bekommen, da ein VoIP-Gespräch maximal eine Bandbreite von 100 Kilobit pro Sekunde erfordert. Wenn auf beiden Seiten die Hardware und die Bandbreite passend ausgewählt wurde, ist die Sprachqualität bei All-IP heute sogar besser als bei ISDN. Dabei muss die Anlage den Telefon-Daten Priorität einräumen, denn sonst kann ein voluminöser Software-Download die Qualität gleichzeitiger Telefonate beeinträchtigen.

Wussten Sie schon, dass …

die ISDN-Technologie 1989 eingeführt wurde?  Als Vorteil der neuen Technik galt die Zusammenführung von Telefon, Fax und spezifischen Geräten wie beispielsweise Kassensystemen oder Alarmanlagen. 

Künftig steht mit All-IP eine Technologie zur Verfügung, die auf den Computer und das Internet ausgerichtet ist. So wird die Integration der Sprachkommunikation mit E-Mail, Chat und Dateitransfers möglich.

Unternehmen sollten bei der Umstellung beachten, dass oftmals auch die Sprechanlage an der Eingangstür oder der Notruf im Fahrstuhl per ISDN angebunden sind. Ebenso können EC-Kassenterminals oder Alarmmeldegeräte betroffen sein. Daher muss eine umfassende Bestandsaufnahme erfolgen. Außerdem sollte zum Einstieg in All-IP an Notfallstrategien gearbeitet werden. Denn bislang konnten Unternehmen über ISDN und Internet kommunizieren, künftig läuft alles nur noch über eine Infrastruktur.