Agiles Arbeiten in Unternehmen

Am Ende steht mehr Kreativität

Von Andrea von Gersdorff · 2022

Eine Frau nimmt an einem Arbeitsmeeting per Videochat teil.
Auch nach Corona wird die Arbeitswelt nicht zum alten Standard zurückkehren. Foto: iStock / LeoPatrizi

Mit dem Homeoffice wandeln sich die Anforderungen: Mitarbeitende sollten in Netzwerken arbeiten, die technischen Voraussetzungen müssen stimmen und Präsenzmöglichkeiten erhalten bleiben. Mit der neuen Organisation könnte sich der Trend zum agilen Arbeiten verstärken.

Mit der Pandemie hat sich die Arbeitswelt für Büroangestellte verändert: Statt Präsenzkultur gibt es nun die Alternative Homeoffice. Die Vorteile liegen auf der Hand: Lange Arbeitswege fallen ebenso weg wie die räumliche Gebundenheit an das Büro. Meetings mit Kunden oder Kollegen können unkompliziert ohne Zeitverlust per Videokonferenz erledigt werden und Geschäftsreisen bleiben die Ausnahme.

Netzwerkdenken gefragt

Für die Beschäftigten im Homeoffice bedeutet das, dass sie sich einerseits ihre Arbeit flexibler nach ihren familiären oder privaten Bedürfnissen einteilen können, was viele positiv sehen. Andererseits sind manche genau dann nicht erreichbar, wenn sie gebraucht werden. Dies wirft vor allem dann Probleme auf, wenn in Projekten mehrere Kollegen, Kunden oder externe Kooperationspartner kontinuierlich zusammenarbeiten müssen, alle aber in unterschiedlichen Städten leben oder andere Arbeitszeiten haben. Daher benötigt Arbeiten im Homeoffice ein neues, ausgeprägtes Netzwerkdenken. Alle – vom mobil arbeitenden Kollegen bis zum Mitarbeiter im Homeoffice – müssen sämtliche Informationen erhalten und verteilen können, sie brauchen den direkten Zugriff auf Daten und Hilfsmittel und sie müssen ohne Hürden miteinander kommunizieren können. Wenn dieses Zusammenspiel nicht vernünftig gehandhabt wird, leidet nicht nur der Output, sondern die räumliche Trennung führt auch zu einer Individualisierung der Arbeit. Die positiven Effekte des flexiblen Arbeitens nehmen ab und auch die Bindung an das Unternehmen sinkt.

Keine Rückkehr zu alten Strukturen

Das plötzliche Arbeiten im Homeoffice aufgrund von Corona hat sich als Experimentierfeld für das Arbeiten der Zukunft gezeigt. Das ist insofern ein Glücksfall, als viele Chefs lange den alten Strukturen verhaftet waren und erst jetzt zum Umdenken bereit sind. Eine Rückkehr zum reinen Präsenzbetrieb wird es in vielen Firmen vermutlich nicht mehr geben. Die fortgesetzte Telearbeit erfordert daher auch, dass die technischen Voraussetzungen für Hard- und Software stimmen müssen. Zunächst sollten Unternehmen ihren Mitarbeitern einen Computer für eine klare technische Trennung von privater und beruflicher Nutzung zur Verfügung stellen. Außerdem muss die Internet-Verbindung stabil sein.

Wichtig ist auch, dass ein Fernzugriff (Remote-Desktop) über eine verschlüsselte Verbindung besteht, für die der Einsatz von Zwei-Faktor-Authentifizierung beim Aufbau der Verbindung empfehlenswert ist. Notwendig sind ferner cloud-basierte Plattformen für Kollaborationslösungen beispielsweise für unternehmensübergreifende Projektarbeit, weltweite Live-Videokonferenzen, für Projekte mit engem Zeitfenster und dauerhaftem Austausch zwischen allen Beteiligten, um orts- und geräteunabhängig miteinander zu kommunizieren. Auch für Remote-Schulungen von Mitarbeitern, für strukturiertes Arbeiten in Seminaren und einen Austausch bei der Einarbeitung mit Kollegen werden Lösungen gebraucht. Gleichzeitig wird es für die Büros der Zukunft heißen, dass Instrumente wie Desk Sharing oder Coworking Spaces verstärkt eingesetzt werden, um Mitarbeitern persönliche Kontakte und direkte Kommunikation mit Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden zu ermöglichen. Auch bleibt so der soziale Aspekt der Arbeit erhalten. Ein Büroformen-Mix mit Multispaces kann wiederum verschiedene Raumoptionen bieten, die flexibel von allen Mitarbeitern entweder zum konzentrierten Arbeiten oder Vernetzen mit anderen genutzt werden können.

Agiles Arbeiten in Unternehmen als New Work

Für den strukturellen Wandel der Arbeitswelt durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz sowie für die neue Ausgestaltung der Arbeitsplätze stehen mittlerweile die Begriffe New Work oder Arbeit 4.0. Doch neue Bürokonzepte und modernste technische Ausstattung allein erfüllen noch nicht alle Bedürfnisse der Arbeitnehmer, die heute in ihrer Arbeit eine sinnstiftende Funktion sehen wollen: Neben Work-Life-Balance und flexibler Arbeitsgestaltung wünschen sie eine stärkere Einbeziehung in Entscheidungen, flache Hierarchien sowie mehr kreatives und konstruktives Arbeiten statt des reinen Erfüllens der vorgegebenen Aufgaben. Ein verstärktes Arbeiten in Netzwerken könnte diesen Wunsch verwirklichen helfen. Innerhalb der New Work ist dabei vor allem agiles Arbeiten ein Stichwort – dabei handelt es sich um neue Formen des Projektmanagements. Die Ansätze dafür heißen etwa Design Thinking oder Scrum. Tägliche Abstimmungen über anstehende Aufgaben, Einbezug externer Experten, mehr Brainstorming, Transparenz und Freiräume. So sollen Teams schneller ans Ziel kommen, ohne dass einzelne Projektschritte in einem Plan vorab von Vorgesetzten formuliert werden. Digitale Netzwerke sind auf dem Weg dahin ein erster Schritt.

Quelle: ifo Insitut, 2020

Quellen:
Ewimed: Wie verändert das Coronavirus die Arbeitswelt?

B4B: Welche New-Work Konzepte sind nach Corona gefragt?

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