Betriebliche Weiterbildung

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Von Pia Wegener und Katharina Lehmann · 2019

Das lebenslange Lernen nimmt im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung einen immer höheren Stellenwert ein – und macht sich durchaus bezahlt. Denn regelmäßige Zusatzqualifikationen motivieren Mitarbeiter und bringen Unternehmen einen klaren Mehrwert. Doch nicht alle Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt.

Ein Dozent steht vor seiner Klasse. Thema: Betriebliche Weiterbildung
Weiterbildung ist ein Muss, kein Nice-to-Have. Foto: iStock / Nattakorn Maneerat

Mit dem Einzug digitaler Technologien wie künstlicher Intelligenz, Virtual Reality, Robotik oder Blockchain stehen Unternehmen wie auch Beschäftigte in Deutschland vor großen Herausforderungen. Mitarbeiter sollen den digitalen Wandel vorantreiben, agil sein und sich lebenslang weiterentwickeln. Doch auch Unternehmen sind gefragt: Für sie gelten die einstigen Regeln nicht mehr. Ist eine Stelle erst einmal mit einer passenden Fachkraft besetzt, bedeutet das nicht unbedingt, dass es für die nächsten Jahrzehnte so bleibt. So müssen Arbeitgeber heute nicht nur ihre Mitarbeiter für die digitale Zukunft fit machen, es geht auch darum, Fachkräfte und Talente zu behalten. Beides können sie jedoch mit demselben Instrument erreichen. Denn der betrieblichen Weiterbildung kommt eine immer zentralere Rolle zu. So wissen 93 Prozent der deutschen Unternehmen, dass regelmäßige Weiterbildung die Zufriedenheit und Arbeitsmotivation der Mitarbeiter steigert. Das geht aus der Studie „Weiterbildung für die digitale Arbeitswelt“ des Branchenverbands Bitkom und des TÜV-Verbands aus dem vergangenen Jahr hervor. 63 Prozent der Unternehmen geben zudem an, ihre Mitarbeiter in Digitalthemen weiterzubilden. Im Schnitt stehen deutschen Beschäftigten allerdings nur 2,3 Fortbildungstage pro Jahr zur Verfügung. 709 Euro lassen sich die befragten Unternehmen die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter pro Jahr kosten. 99 Prozent der Unternehmen sind sich aber sicher, dass betriebliche Weiterbildung immer wichtiger wird.

Mitarbeiter langfristig binden – auch durch Weiterbildung

Jedes fünfte der von der Bitkom befragten Unternehmen gab jedoch an, gar keine betriebliche Weiterbildung anzubieten. Ein Fehler, finden die Studienautoren. „Digitale Weiterbildung ist kein Nice-to-Have, sondern ein Muss“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Unternehmen müssten sie anbieten, um ihre Mitarbeiter überhaupt zu halten. Denn vor allem die jüngere Generation findet das lebenslange Lernen immer wichtiger und erwartet vom Arbeitgeber auch entsprechende Angebote.

Gleichzeitig sind Weiterbildungsangebote im Umfeld der sich immer rasanter wandelnden Tätigkeitsfelder notwendig, um Produktivität und Innovationsfähigkeit im Unternehmen zu erhalten. „Unternehmen profitieren von digital qualifizierten Mitarbeitern. Die Beschäftigten bekommen ihrerseits bessere Jobs und bleiben auch im fortgeschrittenen Alter attraktiv für den Arbeitsmarkt. Kluge Köpfe sind das wichtigste Kapital im digitalen Deutschland. Daran müssen wir arbeiten.“, fordert Berg. Unternehmen müssen eine Weiterbildungskultur rund um digitale Kompetenzen etablieren, die berufliches Lernen lebenslang ermöglicht. Dabei lassen sich digitale Formate wie E-Learning oder Präsenzunterricht, Micro-Learning oder Blended Learning durchaus kombinieren.

Quelle: Deloitte, 2019

Mitarbeiterwünsche beachten

Dabei sollten Chefs durchaus auch die verschiedenen Vorlieben der Generationen beim Aneignen von Wissen kennen. So zählt der Frontalunterricht bei der Generation X (heute 37- bis 50-Jährige1) immer noch zu den beliebtesten Weiterbildungsformaten. Dagegen sind für die Generation Y Weiterbildungsangebote interessant, bei denen elektronische beziehungsweise digitale Medien eingesetzt werden. Dazu zählen Erklärfilme für das videobasierte Lernen und das sogenannte Mobile Learning. Aber auch kurze und überschaubare Lerneinheiten mit dem Namen Micro-Learning, die zum schnellen Lernen einladen, und der virtuelle Klassenraum, in dem ein Moderator Interessierten ein Thema online näherbringt, gehören zur Welt des E-Learning dazu. Der große Vorteil: Jeder kann individuell teilnehmen – ganz egal, wann und wo. Bei der Generation Z finden häufig Weiterbildungsformate Zuspruch, die Inhalte spielerisch vermitteln oder das computergestützte Lernen mit dem klassischen Präsenzunterricht verknüpfen. Beim sogenannten Blended Learning werden Präsenztage mit persönlichem Kontakt, Diskussionen und Interaktion mit softwarebasiertem Lernen kombiniert. 

Bildung macht sich bezahlt

Klar ist: Lebenslanges Lernen macht sich durchaus bezahlt. Das geht aus der DIHK-Erfolgsstudie Weiterbildung hervor. So hatte die Weiterbildung für nahezu zwei Drittel der Befragten positive Auswirkungen auf ihre berufliche Entwicklung. Sie konnten sich beispielsweise finanziell verbessern oder mehr Verantwortung übernehmen. Und auch für Unternehmen lohnt sich das Engagement in die Weiterbildung der Mitarbeiter. Sie profitieren von höherer Produktivität und profilieren sich als attraktive Arbeitgeber – ein Plus im Kampf um die Köpfe von morgen. „Lernen ist der beste Garant für Wohlstand, Gesundheit, sozialen Zusammenhalt und Glück. In der Zukunft werden wir mehr, früher, länger und auch anders lernen müssen“, betont auch Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, die Notwendigkeit von Weiterbildungsangeboten. Natürlich müssen dazu auch die passenden Bedingungen geschaffen werden, um ein ständiges Lernen zu fördern. Hier ist laut Bitkom auch die Politik gefragt: Sie müsse Anreize für Unternehmen setzen und Orientierung im Markt der Weiterbildungsangebote schaffen.

Die Altersspanne der Generationen X, Y und Z werden unterschiedlich definiert.

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