Standortfaktoren

Gesucht: Schnelle Netze und Talente

Von Michael Gneuss und Nico Eisenkrämer · 2019

Im Zuge der Digitalisierung entwickeln Unternehmen auch bei der Standortwahl neue Bedürfnisse. Neben der Anbindung an eine moderne Kommunikations-Infrastruktur wird dabei vor allem die Verfügbarkeit von Fachkräften und jungen, kreativen Talenten immer wichtiger.

Deutschland-Karte mit eingezeichneten Symbolen für Standorte.
Schnelles Internet, digitale Vernetzung und viele Fachkräfte – dieser Mix macht Standorte attraktiv. Foto: iStock/metamorworks

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus wollte es ganz genau wissen: Was sind heutzutage eigentlich die wichtigsten Standortfaktoren für Unternehmen? Mehr als 400 Unternehmen aus der Region Südbrandenburg bewerteten daraufhin 30 Standortfaktoren im Hinblick auf Wichtigkeit und Zufriedenheit. Das Ergebnis: Eine zuverlässige Stromversorgung, eine gute digitale Infrastruktur sowie die allgemeine Sicherheit und eine umfassende medizinische Versorgung sind für die Firmen vor Ort am wichtigsten. Bezeichnend ist nach Ansicht der Kammer-Geschäftsführung vor allem, womit die Unternehmer am meisten hadern: „Die größte Unzufriedenheit herrscht mit der mangelnden Verfügbarkeit von Fachkräften und Bewerbern für Ausbildungsberufe“, sagt Maik Bethke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. Dringend gefordert wird auch eine Verbesserung der digitalen Infrastruktur. 

Standortfaktor: Arbeitskräfte vor Ort

Zu ähnlichen Ergebnissen kam zuvor auch die Befragung der IHK Mittlerer Niederrhein für den Standort Viersen. Die größte Unzufriedenheit wurde in Bezug auf die Anbindung ans schnelle Internet geäußert. Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften vor Ort wurde von den Viersener Firmen ebenfalls zu einem wichtigen Faktor erklärt – und auch hier stellten sie ihrem Standort schlechte Noten aus. 

Landauf, landab sind die gleichen Klagen zu hören. Am besten stehen offenbar im Moment die Metropolen München und Berlin da. Die Unternehmensberatung Deloitte hat ein Ranking über die 50 besten Standorte für die Informations- und Kommunikationstechnik-Branche erstellt. Für Unternehmen aus diesem Sektor sind digitale Infrastruktur und Fachkräfte besonders wichtig. Deloitte zufolge haben München und Berlin eine große Zukunft, weil Unternehmen und Kapital in der digitalen Ökonomie den Talenten folgen – und die leben vor allem in diesen beiden Metropolen. Insbesondere die bayerische Landeshauptstadt kann den Consultants zufolge mit Personal für die Digitalwirtschaft punkten. Obwohl Berlin mehr als doppelt so viele Einwohner wie München hat, sind an der Isar in absoluten Zahlen mehr Menschen im IKT-Sektor und in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) beschäftigt als an der Spree. Nicht zuletzt sorgen an beiden Standorten renommierte Universitäten für den begehrten Nachwuchs. Auch die Rhein-Neckar-Städte Heidelberg (Rang 19) und Mannheim (Rang 24) sind unter den Top-50-Standorten von Deloitte zu finden. 

Lösung für den ländlichen Raum

Von wachsender Bedeutung ist die digitale Infrastruktur aber auch in ländlichen Regionen. Eine Studie der Micus Strategieberatung GmbH belegt, dass Unternehmen mit einem breitbandigen Internetanschluss schneller wachsen und innovativer sind als ihre Wettbewerber mit langsamem Internetzugang. Micus zufolge können mit einer Breitbandversorgung unter Umständen sogar die Standortnachteile des ländlichen Raums ausgeglichen werden. Immer mehr Regionen werben indes mit weichen Standortfaktoren wie dem Kultur- und Bildungsangebot sowie Freizeitmöglichkeiten. Nicht zu Unrecht, denn eine hohe Lebensqualität zieht gut ausgebildete Menschen an, schrieb bereits 2017 die Beratungsgesellschaft PWC in einer Start-up-Studie.

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