Energieeffizienz und Nachhaltiges Bauen

Energiekosten selbst steuern

Von Paul Trebol · 2014

Hohe Kosten für Strom und Wärme, dazu die Abhängigkeit von Importen, lösen eine Innovationslawine aus. Ob im gewerblichen oder privaten Bereich ist Energieeffizienz für Nutzer und Anbieter ein Muss.

Energie sparen und effizient einzusetzen ist hierzulande nicht nur seit der Energiewende ein großes Thema. Selten gelingt es besser, Nutzen, Kostenersparnis und Klimaschutz auf einen Nenner zu bringen. Ein gigantischer Markt ist entstanden, in dem deutsche Unternehmen eine führende Rolle übernehmen. Weltweit geht der Trend zu effizienten Gebäuden, die wenig Energie verbrauchen und im günstigsten Falle ihre eigene Energie produzieren. Nach Untersuchungen schätzen Architekten, Ingenieure und Gebäudebesitzer, dass bis Ende 2015 mehr als die Hälfte ihrer Projekte in den Bereich nachhaltiges Bauen gehören. Dabei zahlen sich die anfänglichen Investitionen für effiziente Gebäude aus, wie der World Green Building Council in einem Report zeigt. Experten des Marktforschungsunternehmens Navigant Research schätzen für 2017 das globale Marktvolumen für energieeffiziente Technik in Gebäuden auf mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Der deutsche Gebäudebestand macht knapp 40 Prozent des Endenergieverbrauchs aus. Mehr als ein Drittel des EU-weiten Ausstoßes von Treibhausgasen entfällt auf Gebäude. Mit heute verfügbaren Technologien ließe sich der Energiebedarf von alten und neu errichteten Gebäuden um 30 bis 80 Prozent verringern.

Tricks für die Effizienz bei den Heizkosten

Innovative Fenstertechnik, Dämmung sowie effiziente Heizung und Kühlung senken den Energieverbrauch von Gebäuden drastisch. Der Gebäudesektor ist dabei der Schlüssel zu effektivem Klimaschutz und zukunftsfähigen Städten. Genau das schreiben auch immer mehr Gesetzgeber vor – beispielsweise soll der deutsche Bestand bis 2050 nahezu klimaneutral werden. Um diesen Vorgaben nachzukommen, hat zum Beispiel das oberfränkische Unternehmen Rauh SR Fensterbau zusammen mit Fraunhofer-Forschern ein Fenster entwickelt, das über Sensoren die Lüftung steuert und die Heizkosten um bis zu 25 Prozent senken soll. Der Trick: Bevor die frische Luft in den Raum fließt, strömt sie durch einen Spalt am Boden des Fensters zwischen den Scheiben nach oben und erwärmt sich so. Scheint die Sonne, ist der Effekt noch größer. Eine Senkung der Energiekosten wird zukünftig ein Standort-Faktor im Wettbewerb werden. Eine der vielen Möglichkeiten für mehr Effizienzsteigerung bieten Standorte, die von einer größeren Anzahl von Unternehmen zur Produktion genutzt werden. Auf diese Art und Weise können kostengünstig perfekte Infrastrukturen entstehen mit eigenen Stromerzeugungsquellen und Einrichtungen für E-Mobilität und Logistik-Einheiten. Beispielsweise in Form kleinerer gemeinsam betriebener Kraftwerke (Kraft-Wärme-Kopplung), Solar- und Biogasanlagen.

Verdämmt gute Ideen für Alt- und Neubau

Auch im Bereich der Dämmung geht der Fortschritt in großen Schritten voran. So könnten nur zwei Zentimeter dünne Vakuumpaneele für Fassaden künftig auch Altbauten ohne größere Verschandelung wärmedämmen. Produkte deutscher Unternehmen sind bereits in der Fertigungsphase. Würden die Deutschen in nächster Zeit den Bau eines Hauses planen, wären ihnen Faktoren wie eine verbesserte Energieeffizienz, die Verwendung ökologischer Baustoffe sowie die soziale Verantwortung des Bauträgers gegenüber Mitarbeitern und Kunden bedeutend wichtiger als noch vor zwei Jahren. Das ist das Ergebnis der aktuellen Forsa-Umfrage „DFH Trendbarometer Nachhaltigkeit 2014“.